Eingewöhnung

Da der Übergang des Kindes aus der Familie in den noch unbekannten Kindergarten eine große Herausforderung darstellt, haben wir (nach den Erkenntnissen der Bindungsforschung) ein spezielles Eingewöhnungsmodell für Kinder unter 3 Jahren eingeführt. (ausgehend vom Berliner Eingewöhnungsmodell nach Laewen/ Andres/Hédévari) Denn während der ersten Zeit in der Krippe, ist das Kind mit vielem  Unbekanntem konfrontiert, es muss sich an neue Situationen, einen veränderten Tagesablauf, und an die tägliche Trennung von den Eltern gewöhnen.

Das erste Kennenlernen erfolgt in einem ausführlichen Aufnahmegespräch, in dem die Eltern unter anderem auch über die Notwendigkeit und den Verlauf unseres Eingewöhnungskonzeptes informiert werden. Ziel des Modells ist, in Kooperation mit den Eltern, dem Kind unter dem Schutz einer Bindungsperson das „Vertraut werden“ mit der neuen Umgebung und den Aufbau einer Bindungsbeziehung zur Erzieherin zu ermöglichen.

Die Eingewöhnung folgt folgendem Grundschema, wird aber zusammen mit den Eltern auf die individuelle Familiensituation abgestimmt.

Grundphase:
An den ersten drei Tagen kommt die Mutter / Vater zusammen mit dem Kind in die Krippe, und bleibt ca. 1 Stunde mit dem Kind im Gruppenraum. Während dieser Zeit sollen sich die Eltern eher passiv verhalten, das Kind nicht drängen, sich zu entfernen und es akzeptieren, wenn es ihre Nähe sucht. Das betreuende Personal versucht in dieser Zeit, behutsam Kontakt zum Kind aufzunehmen.
An den ersten drei Tagen erfolgt nie eine Trennung von Mutter / Vater und Kind. Beide verlassen gemeinsam den Kindergarten und können so gemeinsam Erlebtes noch auffrischen und verarbeiten.
Diese Grundphase dient vor allem dazu, dass das Kind die Erzieherin, den Gruppenraum und die anderen Kinder kennen lernt. Die Mutter / Vater bleibt als „sicherer Hafen“ in der Nähe, damit das Kind jeder Zeit bei Bedarf dorthin zurückkommen kann.

Erster Trennungsversuch:
Am vierten Besuchstag wird in Absprache mit Mutter / Vater eine erste Trennung von mindestens 5 Minuten bis maximal 30 Minuten vorbereitet. Die Mutter / Vater verabschiedet sich das erste Mal vom Kind und verlässt den Raum (auch unter Protest des Kindes), bleibt aber innerhalb der Einrichtung.
Ziel des Trennungsversuches ist es, heraus zu finden, wie lange die Eingewöhnung voraussichtlich dauern wird:

  1. Reagiert das Kind nur kurz mit weinen und lässt sich von der Bezugserzieherin trösten und in eine Spielsituation einbinden, wird die Eingewöhnung kürzer sein und die Trennungszeiten werden nach und nach in den folgenden Besuchstagen verlängert.
  2. Wenn das Kind untröstlich ist und sich von der Bezugserzieherin nicht trösten lässt, werden zwei weitere Tage in Begleitung der Mutter/ Vater angeknüpft und am 7. Tag eine erneute Trennung versucht.


Stabilisierungsphase:
Die Bezugserzieherin übernimmt mehr und mehr die Versorgung des Kindes und bietet sich in zunehmenden Maß als Spielpartnerin an. In Absprache kann sich die Mutter / Vater immer mehr zurückziehen, verlässt den Raum nach gewohntem Ritual, verbleibt aber noch in der Einrichtung.
Individuell wird die Verweildauer des Kindes gesteigert.

Schlussphase:
Hier hält sich die Bezugsperson nicht mehr in der Einrichtung auf, es wird aber eine jederzeitige Erreichbarkeit vorausgesetzt. Abgeschlossen ist die Eingewöhnung, wenn die Erzieherin als sichere Basis akzeptiert wird und das Kind sich von ihr trösten lässt. In der gesamten Eingewöhnungszeit tauschen wir uns mit den Eltern des Kindes aus. Nach der Eingewöhnungsphase werden außerdem regelmäßige Entwicklungsgespräche vereinbart.